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Schimmelpilze – Allgemeine Info

Schimmelpilze sind ein natürlicher Bestandteil unserer Umwelt. Der Begriff „Schimmelpilz“, landläufig auch als „Schimmel“ bezeichnet, entstammt der Praxis der Mikrobiologie und vereint eine Gruppe heterogener Fadenpilze, bestehend aus mehreren Pilzgruppen. Die Gesamtzahl wird weltweit auf über 160.000 Arten geschätzt. Aus medizinischer Sicht lassen sich die für den Menschen bedeutendsten Arten jedoch auf einige Dutzend eingrenzen.

Schimmelpilze setzen sich, wie andere Pilze auch, aus drei wesentlichen Bestandteilen zusammen:

  1. den Sporen und Konidien (bei Schlauchpilzen, Ascomyceten), als Medium der Fortpflanzung, Verbreitung und Lebenserhaltung der Pilze
  2. dem Pilzmycel, als ein feines, weit verzweigtes, gewebeartiges Geflecht. Es dient der Nahrungsversorgung und der Verbreitung des Pilzes. Einzelne Stränge des Pilzmycels werden als Hyphen bezeichnet.
  3. dem Fruchtkörper, als Endprodukt des Pilzes. Der Fruchtkörper kann unterschiedliche Formen und Farben haben.

Die Sporen der Schimmelpilze sind mikroskopisch klein (0,002 – 0,01 mm), schweben in der Luft und sind an Hausstaub gebunden. Die Lebensbedingungen und Wachstumsverhältnisse hängen stark von Luftfeuchtigkeit und Temperatur ab. Organische Bestandteile, die den Pilzen als Nahrung dienen, sind i.d.R. staubgebunden und ubiquitär vorhanden.

Voraussetzung für ein Schimmelpilzwachstum in Innenräumen ist maßgeblich eine erhöhte Feuchte, die in den häufigsten Fällen im Zusammenhang mit einem Tauwasserausfall an kalten Bauteiloberflächen (z.B. an Außenwandecken) steht. Die Ursache hierfür kann ein Baumangel sein (z.B. Wärmebrücken); es können aber auch fehlerhaftes Nutzerverhalten oder eine Kombination beider Ursachen vorliegen.

Die sichtbaren Zeichen eines Schimmelbefalls sind häufig als schwarze Flecken, sogenannte Stockflecken, z.B. an Deckenixeln, in Raumecken oder auch an Badezimmerfugen, zu erkennen. Ein ebensolcher Befall zeigt sich aber auch versteckt hinter Tapeten, Holzverschalungen oder hinter Schränken, die an Außenwänden aufgestellt sind.

Schimmelbefall in Wohnungen

Aus bautechnischer, mietrechtlicher aber auch aus gesundheitlicher und nutzerbedingter Sicht ist die Abklärung der Ursache für den Schimmelbefall von entscheidender Bedeutung. Nutzungsbedingt entstandener Schimmel ist dabei klar von baulich bedingtem Befall zu unterschieden.

Eine Schimmelpilzbelastung in Innenräumen stellt in jedem Fall ein hygienisches Problem dar. Eine Gesundheitsbelastung ist dabei nicht auszuschließen. Über die Ursache des Schimmelpilzbefalls entsteht häufig ein mietrechtlicher Streit, der am Ende oft vor Gericht – nach Hinzuziehung eines Sachverständigen – entschieden werden muss. Aus Gründen der Gesundheitsvorsorge sollten möglichst im gegenseitigen Einvernehmen, zwischen Mieter und Vermieter, Feuchte- und Befallschäden umfassend behoben werden.

Anmerkung: Schimmelpilze der Gefährdungsklasse A dürfen in Innenräumen nicht vorkommen. Bei Schimmelpilzen dieser Art handelt es sich um toxische Schimmelpilze. Ein Vorkommen dieser Art führt zu einem sofortigen Handlungsbedarf.

Mietminderungsansprüche bezüglich der in Wohnungen vorkommenden Feuchteschäden können von Seiten der Vermieter nur abwendet werden, wenn nachzuweisen ist, dass der Mieter den Feuchtigkeitsschaden selbst verursacht hat – z. B. durch mangelhaftes Heiz- und / oder Lüftungsverhalten. Aber auch andere Gründe können Ursache für Feuchteschäden sein.

Es empfiehlt sich daher immer einen Sachverständigen zur Abklärung zu Rate zu ziehen.

Krankheitsbeschwerden durch Schimmel

Schimmelpilzsporen und andere Pilzfragmente können eine Vielzahl gesundheitlicher Beeinträchtigungen auslösen oder fördern, die oft medizinisch falsch gedeutet werden. Besonders hoch ist das Krankheitsrisiko für Allergiker, Asthmatiker, Kleinkinder, Schwangere, immengeschwächte Menschen oder auch nach Organtransplantation und Chemotherapie.

Etwa 35% aller in Deutschland Lebenden leiden an einer Allergie. Nach Prof. Schata, Gesellschaft für Allergieforschung (GAF, 1987), sind Schimmelpilze für etwa 1/3 aller allergischen Reaktionen verantwortlich. Dabei sind Allergieauslöser wie Alternaria alternata und Cladosporium cladosporides – diese gehören zu den am meisten verbreiteten Allergieträgern – nur zwei von über dreitausend allergieauslösenden Schimmelpilzarten.

Selbst abgetötete Schimmelpilzsporen und Schimmelpilzfragmente können durch Immunreaktion oder die von ihnen freigesetzten Mykotoxine (Schimmelpilzgifte) gesundheitliche Beschwerden hervorrufen.

Die möglichen durch Schimmelpilze hervorgerufenen Erkrankungen und Beschwerden sind:

  • Allergische Erkrankungen
  • Toxische Reaktionen
  • Schimmelpilzinfektionen (Mykosen)
  • Geruchsbelästigung

Des weitaus größeren Anteils wegen sei an hiesiger Stelle nur auf die allergischen Erkrankungen und Symptome einer Schimmelpilz-Allergie eingegangen.

Die an die Raumluft abgegebenen Schimmelpilzsporen setzen bei Kontakt mit den Schleimhäuten Substanzen frei, die allergische Reaktionen auslösen können. Bei sensibilisierten Personen können schon geringe Konzentrationen zum Auslösen einer Allergie ausreichen.

Aufgrund ihrer Größe (0,001 – 0,01 mm) und ihrer aerodynamischen Eigenschaften gelangen die Sporen vieler Schimmelpilzarten bis in die peripheren Lungenabschnitte. Nach Inhalation dieser kommt es mit einer Latenzzeit von maximal 12 Stunden, zu einer Immunreaktion im menschlichen Körper. Diese führt je nach Verlaufsform (akut oder chronisch) zu unspezifischen Krankheitsbeschwerden wie:

Chronisches Tränen der Schleimhäute von Augen und Nase, übermäßiger Nies- und Hustenreiz, Kopfschmerzen, sowie übermäßige Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Ebenso können übermäßiger Juckreiz, Konzentrationsstörung, Fieber, Frösteln und Atemnot Begleiterscheinungen sein, die in vielen Fällen mit einer Erkältungskrankheit oder Bronchitis verwechselt werden.

Schimmelpilzsporen werden als allergieauslösend charakterisiert, wobei Schimmelpilzstäube, d.h. die Gesamtheit an Schimmelpilzsporen und Schimmelpilzfragmente (Mycelbruchstücke) –, als Gefahrstoffe im Sinne der Technischen Richtlinien für Gefahrstoffe gelten (TRGS 907).