Mo – Fr: 09.30 – 18.30 Uhr
Sa.: 10.00 – 14.00 Uhr
01577 337 08 57
Auch über WhatsApp zu erreichen!

Asbest und andere Gefahrstoffe

Altbauten sind oft tickende Zeitbomben

Altbauten haben oft einen besonderen Charme und sind bei Käufern sehr beliebt. Insbesondere in Häusern, die nach dem 2. Weltkrieg erbaut wurden, sind oft Materialien verbaut, deren Wirkung damals nicht bekannt war. Beispiele dafür sind asbesthaltige Bodenbeläge (Cushion Vinyl oder Floor-Flexplatten), aber auch Holzschutzmittel, Formaldehyd behandelte Baustoffe und krebserregende Parkettkleber, die mit polycyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs) belastet sind.

Noch Jahrzehnte nach ihrer Anwendung rufen manche dieser Stoffe gesundheitliche Beeinträchtigungen hervor, die von unspezifischem Unwohlsein über Allergien bis hin zur Krebsgefahr reichen.

Vor allem Asbest war wegen seiner hervorragenden Produkteigenschaften sehr beliebt. So durften beispielsweise Asbestzementprodukte, sogenanntes fest gebundenes Asbest, bis 1991 im Hochbau und bis 1993 im Tiefbau verwendet werden. Seit 1993 ist die Asbestherstellung und -verwendung in Deutschland (EU-weit seit 2005) verboten.

Asbesteigenschaften, Asbestverwendungen mit Handlungsempfehlung zur KontaminationsVermeidung

Asbest steht für eine Gruppe natürlich vorkommender Mineralfasern. Vom griechischen asbestos = unauslöschbar abgeleitet, ist Asbest chemisch stabil, nicht brennbar, hat eine hohe elektrische und thermische Isolierfähigkeit, weist eine hohe Elastizität und Zugfestigkeit auf und lässt sich gut in Bindemittel wie beispielsweise in Zement einbinden (Asbestzement).

Was die Langlebigkeit von Asbestfasern angeht, so hat Blauasbest (Krokydolith) eine Biobeständigkeit von mehr als 100 Jahre. Asbestfasern haben einen Asbestdurchmesser von weniger als 0,003 mm. Mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar sind auch Coronaviren, SARS-Co-V 2 Viren. Bei einem Durchmessen von 0,000125 mm sind diese im Vergleich zur Asbestfasergröße noch 24mal kleiner und damit, wie auch Asbestfasern, nur noch unter dem Elektronenmikroskop sichtbar.

Je nach Kristallstruktur und chemischer Zusammensetzung wird zwischen den Asbestmodifikationen Serpentin- und Amphibolasbest unterschieden. Von technischer Bedeutung sind hauptsächlich Chrysotil (Weißasbest), Krokydolith (Blauasbest) und Amosit (Braunasbest), wovon Chrysotilasbest ca. 95% des in Deutschland verwendeten Asbests ausmacht.

Bis weit in die 80er Jahre wurde Asbest in Dämm- und Füllstoffen verwendet, die noch heute in vielen Altbauten zu finden sind. In unterschiedlichen Formen (fest oder schwach gebunden) kann Asbest in verschiedenen Bauteilen eines Gebäudes vorkommen. Aufgrund seiner hervorragenden Produkteigenschaften wurde Asbest daher für eine Vielzahl von Produkten verwandt: Asbestpappen unter Fensterbänken (schwach gebundenes Asbest), eine Außenfassade mit Attika aus asbesthaltigen Hartfaserplatten oder auch die Abwasserrohre aus Asbestzement sind nur 3 von 3000 Verwendungsmöglichkeiten.

Asbestfasern sind in nahezu beliebig kleine Partikel spaltbar. Sie können nicht von Haushaltsstaubsaugern entfernt werden, da sich die Partikel bei Durchgang durch den Filter in noch mehr kleinere Partikel aufspalten und so das Risiko einer größer werdenden Kontamination der Raumluft erhöhen.

Unabhängig einer Sanierungsempfehlung sind gemäß Asbestrichtlinie bei Überschreitung einer Raumluftkonzentration mit Asbestfasern von mehr als 1000 Fasern/m³ der Raumluft (oberer Poissonwert) Sanierungsmaßnahmen zu treffen.

Andere Gefahrstoffe

Chemikalien, die zu einer Schadstoff- und Gesundheitsbelastung der Innenraumluft in Häusern, Wohnungen und in öffentlichen Einrichtungen wie in Kindergärten und Schulen führen können, finden sich z.B. in Form von emittierenden Einrichtungsgegenständen wie Möbel, Teppichböden, Polstergarnituren und Textilien. Aber auch Baumaterialien wie Spanplatten, zu Dämmzwecken eingesetzte Ortschäume, Lacke, Lasuren, Klebstoffe sowie Putz- und Reinigungsmittel können gesundheitsschädliche bzw. Allergie auslösende Chemikalien enthalten und diese an die Atemluft abgeben.

Raumluft-Grenzwerte existieren auch für die Schadstoffe wie PCB, PCP, Lindan sowie für das krebserregend wirkende Benzo-a-pyren, die Leitsubstanz polyaromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK’s). Hingegen gibt es für Formaldehyd und Lösungsmitteldämpfe im Bereich der Raumluft von Innenräumen aktuell nur Empfehlungen durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Umweltbundesamt (UBA).

Für Formaldehyd gilt seit 1977 ein Richtwert von 120 µg/m³ der Raumluft. Typische Hintergrundkonzentrationen in Wohnräumen liegen im Bereich zwischen 12 und 36 µg/m³.